Prozess der Jeanne d’Arc wieder aufgerollt

Szenische Lesung im historischen Sitzungssaal des Amtsgerichts – Authentische Protokolle

Bremerhaven. Leises Stimmengewirr ist zu hören, im Hintergrund knistert ein Feuer. „Macht den Haufen nur schön hoch, damit es auch lange brennt“, schreit ein Schaulustiger. „Lass den Spieß schön schmoren.“

Im Jahr 1431 wird Jeanne D’Arc, die Jungfrau von Orleans, als Ketzerin auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Das Bauernmädchen fühlte sich durch göttliche Berufung zur Befreiung des von den Engländern belagerten Orleans bestimmt. Der Prozess wurde, welcher damals täglich protokolliert wurde, im historischen Sitzungssaal des Amtsgerichts wieder aufgerollt. Das Publikum wurde am Montagabend Zeuge einer szenischen Lesung aus der Prozess-Version von Bertolt Brecht, gespielt von Susanne Schwan, Martin Kemner und Peter Koettlitz. Ernste Blicke der Vortragenden und ein durchdringender mechanischer Lärm nehmen dem ursprünglichen Strafgerichtssaal gleich zu Anfang seine angenehme Atmosphäre. Vor allem der feste Blick der Jeanne (Susanne Schwan) zeigt, in welch düsterer Angelegenheit man sich heute hier versammelt hat. Sie sitzt dort im Halbdunkeln vor dem silbernen Kreuz, wohl wissend, dass sie alles verraten soll, woran sie glaubt, damit ihr der Feuertod erspart bleibt.

Ihre Ankläger, obgleich beide mit dem Ziel, Jeanne einen Widerruf abzuringen, könnten unterschiedlicher kaum sein: Der Bischof von Beauvais (Martin Kemner) lässt keinen Zweifel daran, dass er Johanna für eine Spinnerin hält. Um diese Meinung auch auf das Publikum zu übertragen, macht er sich immer wieder über sie lustig, fragt, ob die Heiligen ihr nackt erschienen seien, oder welchen Haarschnitt sie hatten. Er behandelt Jeanne wie ein kleines Kind, ohne jemals seinen herablassenden Ton zu entschärfen. Er Bischoff ist ungeduldig, dieses standfeste Mädchen macht ihn rasend.

Auf der anderen Seite der Geistliche Jean de la Fontaine (Peter Koettlitz). Er versucht Jeanne auf eine väterliche Art zu bekehrten. „Liebe, liebe Schwester“, spricht er sanft in ihre Richtung, „wir müssen deine Seele und deinen Körper vor den Qualen schützen.“

Die junge Jeanne aber bleibt stark, steht jegliche Befragung aufrecht und mit festem Blick durch. Nur, wenn man sie an ihre Gefangenschaft erinnert, wird ihre Stimme belegt, vielleicht,  weil auch sie in dieser Zeit an ihrem Auftrag gezweifelt hat. Geht es jedoch um ihren Kampf, hebt sie erneut den Kopf, spricht streng, fast gnadenlos über den verdienten Untergang der Engländer. Später, im Gefängnis, fühlt sie sich von ihren Fürsprechern verlassen. Erschöpft unterschreibt sie zunächst den Widerruf.

Als sie das Vertrauen in ihr Volk wiedergewonnen hat, zieht sie den Widerruf zurück und wird schließlich als Ketzerin von den Engländern verbrannt.

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