Den Schrei nach Hilfe hören

Amok - Fachtagung
Bremerhaven (dir). Erfurt, Emsdetten, Winnenden und Ansbach – diese Namen werden noch für lange Zeit mit einem schrecklichen Ereignis in Verbindung gebracht werden. Warum es an Schulen immer wieder zu Amokläufen kommt und wie dem vorgebeugt werden kann, war in dieser Woche Thema einer Fachtagung im Amtsgericht Bremerhaven.

 „Amokläufe werden als Ereignisse angesehen, die einfach mal da sind“, hat Udo Weiss einen Hang zum Fatalismus beim Thema Amoklauf festgestellt. Der Polizeidirektor aus Münster verdeutlichte den Teilnehmern – Lehrern, Polizisten und Juristen – hingegen, dass die „explosionsartige Entladung eines Gefühlsstaus“ weder zwangsläufig noch unvorhersehbar sei. Solche Taten hätten eine lange Vorgeschichte – das biete die Chance, präventiv einzugreifen. „Das fängt in Schulen an mit einem Klima der Vertrautheit, in dem jede Form von Gewalt geächtet wird“, erklärt Weiss. Um potenzielle Amoktäter zu erkennen, müssen Lehrer auf Warnzeichen achten. „Die schreien jahrelang nach Hilfe, bevor es zu so einer Tat kommt – und keiner hört‘s“, sagt der Münsteraner Schulpsychologe Lothar Dunkel. Oft seien es die stillen, introvertierten Schüler, die sich als Außenseiter immer mehr in ihr Schneckenhaus zurückziehen würden. Gedichte mit gewalttätigem Inhalt, aggressive Musik, gravierende Verhaltensänderungen oder Drohungen im Internet – all das könne laut Dunkel auf eine bevorstehende Katastrophe hinweisen. Wichtig sei auch, dass Mitschüler keine Angst hätten, mit ihren Lehrern über auffälliges Verhalten reden zu können. Denn vor den meisten Amokläufen habe es Schüler gegeben, die etwas wussten oder zumindest ahnten.

Ein Netzwerk bilden

Die Tagung im Amtsgericht soll der Auftakt sein, sich in Bremerhaven intensiver mit dem Thema auseinander zusetzen. Vom Senat wurden zwar Notfallpläne an die Schulen geschickt, nach Einschätzung von Frank Behrens reicht das jedoch nicht aus. Dem Leiter des Lehrer-Fortbildungsinstitutes schwebt ein Netzwerk zwischen Schulen, Polizei und Ämtern vor, um rechtzeitig tätig werden können. Gerade den Pädagogen komme dabei viel Verantwortung zu. „Als Lehrer arbeiten wir mit jungen Menschen und müssen darauf schauen, wie sie sich entwickeln“, sagt Behrens.

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