Gewappnet gegen Amokläufe

Amok - Fachtagung
Amok-Experte informierte Lehrer, Polizisten und Juristen über Hintergründe und Vorbeugung

Bremerhaven (atw). Amoklauf an einer Bremerhavener Schule – daran mag man gar nicht denken. Dennoch müssen sich Schulen und Polizei damit befassen. Auch wenn Amoktaten keineswegs alltäglich sind – eine Sicherheitsgarantie gibt es auch für die Seestadt nicht. Über Vorbeugung, Verantwortung und Umgang mit dem Risiko informierten sich Lehrer, Polizei und Juristen. „Erschreckend“ findet Udo Weiss, Polizeidirektor in Münster und Amok-Experte, vor allem eins: Dass zwar nach einer Tat immer wieder dieselben Debatten aufflammen, dagegen aber zu wenig unternommen werde, um Amokläufe zu verhindern. Tatsächlich legen Fälle wie in Winnenden oder Emsdetten die Frage nahe: Was macht einen jungen Menschen zum blutrünstigen Killer?

Bei einer Fachtagung im Amtsgericht am Dienstag wollten Vertreter von Schulen, Polizei und Justiz dieser Frage auf die Spur kommen. Eingeladen hatte dazu die Initiative Artgerecht und das Lehrerfortbildungsinstitut. Gerade an Schulen, so wurde im Vortrag deutlich, ist ein sensibler und doch entschiedener Umgang mit der Gefahr wichtig – denn Schulen sind in Deutschland besonders häufig betroffen. Andererseits können Schulen und Lehrer dazu beitragen, Amoktaten zu verhindern. Auch wenn es vielen der Anwesenden eine Erleichterung gewesen wäre – eindeutige Erkennungsmerkmale von möglichen Amoktätern kann Weiss nicht nennen. Im Gegenteil: „Es gibt keine eindeutige Typologie“, sagt der Experte. Einen möglichen Amokläufer erkennt man also we- der an seiner Vorliebe für virtuelle Gewaltspiele noch am seiner Faszination für Schusswaffen.

Dennoch könne man Gemeinsamkeiten von Tätern feststellen, sagt Weiss. Auch wenn Amokläufer ex trem irrational erschienen, träfen sie bewusste, aus ihrer Sicht logische Entscheidungen. Deshalb sei es wichtig, sich in ihre Perspektive hineinzudenken. Auslöser für einen Amoklauf ist laut Weiss meistens eine traumatische Erfahrung. Oft sei auch eine starke Ich-Bezogenheit feststellbar, sagt Weiss – „das Bewusstsein ist eingeengt wie durch eine Scheuklappe“. Das Gefühl, ausgegrenzt zu werden, verstärkt den Rückzug der meist männlichen Täter in die eigene Gedankenwelt – oft unbemerkt von Familie, Mitschülern oder Lehrern. Dennoch ist es laut Weiss nicht selten, dass Amoktäter ihre Tat ankündigen – meist wüssten sogar mehrere Personen Bescheid. An Lehrer appelliert Weiss, solche Warnungen immer ernst zu nehmen. „Überwinden Sie ihre Scheu, mit der Polizei Kontakt aufzunehmen“, sagt er. „Gefahr besteht, wenn man zögert.“ So widersprüchlich es auch scheint – die Warnung des möglichen Täters sei auch ein positives Zeichen.

„Offenbar hat die Person das Gefühl, sich anvertrauen zu können“, sagt Weiss. Das biete die Chance, ihr aus der Isolation zu helfen. Für das Hinsehen und Handeln wirbt auch Schulpsychologe Lothar Dunkel. Obwohl die Scheu vor der Gefahr natürlich sei, solle man mögliche Amoktäter nicht einfach wegschicken. „Die Gefahr ist größer, wenn Sie sie nicht im Blick behalten können“, sagt er.

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